67er Classics – Vom Regen in die Traufe (Saison 15/16)

Willkommen zur vierten Ausgabe unserer „67er Classics“.

 

In dieser Folge blicken wir zurück in die jüngere Vergangenheit auf den 30. und letzten Spieltag der Kreisklassen-Saison 2015/16.

Unsere Mannschaft spielte als Liganeuling unter Aufstiegstrainer Gezim Feta eine überdurchschnittliche Vorrunde mit sieben Siegen und überwinterte mit nur fünf Punkten Rückstand auf die Aufstiegsränge auf einem ordentlichen 8. Rang.

Nach zwei Unentschieden zu Beginn der Rückserie gegen mit Bayernliga- und Landesligaspielern verstärkte Teams vom FSV Erlangen-Bruck II und –  im Nachholspiel  – gegen den Baiersdorfer SV II war die leise Hoffnung des zum Saisonende scheidenden Coaches, evtl. doch noch auf den Zug Richtung Tabellenspitze aufspringen zu können, dahin. Der Abstand nach vorne war nun bereits auf 10 Punkte angewachsen.

Unser Team kam mehr und mehr aus dem Tritt und schien die Spielzeit gedanklich bereits abgehakt zu haben.

So rutschte man in der Tabelle bedrohlich nahe an die unteren Ränge heran, und fand sich schließlich zwei Spieltage vor Ende der Saison  – nach nur einem Sieg aus neun Begegnungen – tatsächlich auf einem Abstiegsplatz wieder.

Am vorletzten Spieltag zu Hause gegen die SpVgg Heroldsbach reichte es trotz drückender Überlegenheit, endlich wieder spielerisch überzeugender Leistung und dutzender Chancen (inkl. zweier Lattentreffer) nur zu einem mageren 1:1.

So fuhr man zum letzten Spiel am Sonntag den 12.06.2016 zum Baiersdorfer SV II, in dem Wissen gewinnen zu müssen, da die direkten Konkurrenten aus Vestenbergsgreuth und der DJK Erlangen vorab ihre Partien für sich entscheiden konnten.

Nun würde tatsächlich nur noch ein Sieg in Baiersdorf unsere 67er nochmals punktemäßig zur DJK aufschließen lassen und ein Entscheidungsspiel um den Klassenerhalt ermöglichen.

 

Unsere Elf zeigte sich engagiert, war einsatzfreudig und auf einem guten Weg, die drei Punkte einzufahren. Nach zwischenzeitlicher 2:1 Führung gelang dem BSV glücklich der Ausgleich. Per Strafstoß wurde die große Möglichkeit vergeben, die Weichen postwendend wieder Richtung Auswärtserfolg und Entscheidungsspiel gegen die DJK Erlangen zu stellen. Und es kam noch dicker für unsere Jungs, als aus stark abseitsverdächtiger Position Baiersdorf zehn Minuten vor dem Ende gar mit 3:2 in Front ging.

Die Moral unserer Elf war gebrochen, die Hoffnung den lange nicht für möglich gehaltenen Abstieg jetzt noch verhindern zu können, sank auf den Nullpunkt.

Dem Fussball-Gott schien dieses direkt bevorstehende Szenario ganz und gar nicht zu gefallen , jedenfalls begann es plötzlich stark zu regnen, ein heftiges Gewitter folgte. Die Begegnung musste in der 85. Min vorerst unterbrochen werden. Im Kabinengang bangten unsere Jungs gut 30 Minuten bei anhaltendem Platzregen, ehe schließlich komplett abgebrochen und das Spiel für den darauf folgenden Mittwoch neu angesetzt wurde.

Unsere SpVgg hatte also tatsächlich – mit  Unterstützung von ganz oben – eine zweite Möglichkeit erhalten, die notwendigen Punkte einzufahren und die Klasse doch noch zu halten.

 

Am 15.06.2016 pünktlich um 19:30 Uhr liefen folgende Spieler ins Baiersdorfer Stadion ein, um das Wiederholungsspiel auszutragen und die neuerliche Chance beim Schopf zu packen.

 

BSV

30 Harrer, 2 Wurm, 3 Brinacin, 4 Lehner, 5 Pittel, 6 Isbert, 7 Messingschlager (C), 8 Kaltenecker, 9 Wallinger, 10 Roas, 11 Mograbi. (Eingewechselt: 11 Peralta-Becker 27. Min ; 13 Möser 68. Min)

 

67er 

1 Hobner, 2 J. Steidl, 3 Rössel, 4 Rühl, 5. F. Feta, 6 Plätzer, 7 G. Feta, 8 Calina. 9 A. Geyer, 10 M. Wellein (C), 11 Kiszel. (Eingewechselt: 14 Hackenberg 46. Min ; 12 M. Oeser 61. Min ; 13 L. Noppenberger 65. Min)

 

 

Die zahlreichen Etzelskirchener Anhänger erwarteten eine angesichts der Vorgeschichte befreit aufspielende Mannschaft, die ja praktisch bereits abgestiegen war und jetzt nur noch etwas zu gewinnen hatte.

Diese Erwartungen sollten allerdings bitter enttäuscht werden. Nicht unsere 67er, sondern der BSV – für den es in diesem Spiel um nichts mehr ging – spielte von der ersten Minute an temporeich und druckvoll nach vorne und unser Team wirkte beinahe paralysiert.

Schon nach zwei Minuten hätte sich niemand über einen Strafstoß für Baiersdorf beklagen dürfen, in der 8. Minute aber nahm das Unheil seinen Lauf.

Keeper Hobner, der eine grundsolide Saison spielte und vor allem in der Vorrunde durch starke Leistungen auf sich aufmerksam machte, nahm einen zu lang geschlagenen Pass der Gastgeber außerhalb des Strafraums mit den Händen auf und ließ den Ball wieder frei, welcher beim Klärungsversuch über Umwege zu BSV Stürmer Wallinger gelangte. Der an diesem Abend überragende Akteur hatte keine Mühe, ins leere Tor zum 1:0 einzuschieben.

(Wallinger im Zweikampf mit einem unserer heutigen Top-Verteidiger, Dominik Rühl)

 

 

Ein denkbar schlechter Start für unsere Elf, die trotz allem langsam in die Partie zu finden schien. Robert Calina rackerte unermüdlich, scheiterte aber zweimal an Heimtorwart Harrer, ehe Baiersdorf zum Gegenschlag ausholte und nach 27. Min durch den zweiten groß aufspielenden Stürmer Roas aus spitzem Winkel das 2:0 erzielte.

Das zarte Pflänzchen Hoffnung, die Kontrolle über das Spiel zu gewinnen und das Ergebnis zu drehen war nun vollkommen zerstört. Angeschlagen wie ein taumelnder Boxer und völlig verunsichert kassierte man nur vier Minuten später das 3:0, als Roas nach einem Querschläger wiederum frei vor dem Tor stehend nur noch „Danke“ sagend einschieben brauchte.

Kurz vor der Halbzeitpause hatte Schiedsrichter Waßmann offenbar schon etwas Mitleid mit unserem Team und schenkte diesem einen indirekten Freistoß innerhalb des Strafraums, nachdem BSV Torwart Harrer einen abgefälschten Torschuss eigentlich regelgerecht mit der Hand aufnahm.

Unser Kapitän und Freistoßspezialist Matthias Wellein ließ sich diese Gelegenheit nicht entgehen und verkürzte, zu diesem Zeitpunkt überraschend, zum Halbzeitstand von 3:1 (41. Min).

(67er Spielführer Matthias Wellein behauptet sich gegen die BSV-Verteidiger)

 

Gezim Feta, der von der ersten Saisonminute bis zur letzten Aktion immer vollen Einsatz und Herzblut für unsere Farben zeigte, setzte direkt nach Wiederbeginn Wellein in Szene, der wieder gekonnt abschloss und nur äußerst knapp am Kasten des BSV vorbei zielte.

Der mögliche Aufwind aus diesem Angriff und folgende notwendige Sturmlauf unseres Teams blieb allerdings aus, im Gegenteil setzte Wallinger in der 62. Min nach schöner Einzelleistung mit dem 4:1 endgültig den Deckel auf die Partie und besiegelte damit den Abstieg unserer Elf.

Die verbleibenden gut 25 Minuten der Begegnung  – bei diesmal wolkenlosem Himmel – fühlten sich für alle unsere Beteiligten wie eine Ewigkeit an, untermalt von den beginnenden Jubelgesängen aus der Ecke der zuschauenden Erlanger DJK Mannschaft.

Wallinger legte in der in 81. Minute per Freistoß noch einen Treffer nach und den Schlußpunkt zum 5:1. Vorausgegangen war ein Foulspiel des nimmermüde ackernden Gerd Plätzer, der ebenso wie der eingewechselte Mario Oeser (Meckern) die gelb-rote Karte sah.

 

 

Endstand: BSV – 67er    5:1 (3:1)

 

 

Letztendlich musste unsere SpVgg, aufgrund des fussballerischen Potenzials unnötigerweise und eigenverschuldet, den bitteren Gang zurück in die A-Klasse antreten.  Aus dieser stieg man bekanntermaßen nur eine Saison darauf wieder auf und hat sich seitdem Stand heute in der Kreisklasse in der oberen Tabellenhälfte festgesetzt.

 

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In der nächsten Folge reisen wir wieder ein paar Jährchen weiter zurück und treffen uns in der Fränkischen Schweiz. Dorthin machten sich zu einem Spitzenspiel der A-Klasse über 100 Etzelskirchener Anhänger per Bus und Autokolonne auf den Weg und verwandelten die Partie zu einem echten „Heimspiel“ für unsere 67er…

 

2020-05-29T06:43:49+00:0028. Mai 2020|