67er Classics – meisterhaftes Stadtderby (Saison 14/15)

Willkommen zur sechsten und (vorerst) letzten Folge unserer 67er Classics.

 

Zum krönenden Abschluss unserer kleinen Zeitreise in das vergangene Jahrzehnt treffen wir uns zum 22. Spieltag der A-Klasse 2014/15 an der Ziegelhütte beim TSV Höchstadt.

Wir schreiben den 12.04.2015 und unseren 67ern bot sich die Möglichkeit bereits acht Spieltage vor Saisonende beim Lokalrivalen, der damals gerade aus der Kreisklasse abgestiegen war, den Aufstieg in eben diese Liga perfekt zu machen.

Unsere Elf stürmte – verstärkt mit dem in dieser Saison überragenden Neuzugang Robert Calina – scheinbar unaufhaltsam durch die Spielklasse und war bis zu dem anstehenden Derby mit 20 Siegen und nur einem Unentschieden (beim Tabellenzweiten TSV Hemhofen) klarer Spitzenreiter.

Der TSV um Spielertrainer Alexander Jeromin hatte zu diesem Zeitpunkt hingegen nur noch theoretische Chancen auf den erhofften Wiederaufstieg, landete letztendlich aber zumindest auf einem sehr ordentlichen vierten Rang.

Die Brisanz dieser Begegnung bestand für unsere SpVgg folglich darin, ausgerechnet auf dem Platz des  – damals noch nicht direkt vor Etzelskirchen beheimateten –  Nachbarn mit einem Sieg den Aufstieg endgültig zu besiegeln, während der TSV dies selbstredend unter allen Umständen zu verhindern gedachte.

Über 200 erwartungsfrohe 67er-Anhänger machten sich auf den Weg ans Sportgelände in die Innenstadt und sorgten hier für eine tolle Atmosphäre beim bis heute letzten „echten“ Stadtderby der beiden Kontrahenten, da damals auch beim TSV noch ein beträchtlicher Teil der Akteure dem eigenen Verein entstammte.

(67er Fankurve)

 

 

Angeführt von Schiedsrichter Ronald Schneider liefen um 15 Uhr namentlich folgende Spieler aufs Feld:

 

 

TSV

1 Derrer, 2 A. Gerner, 3 Mönius, 4 Schott, 5 Rakotz, 7 Kratz (C), 8 Risch, 9 Brehm, 10 Schmidt, 13 A. Jeromin, 14 M. Jeromin. (Eingewechselt: 54. Min. 12 Kaiser ; 63. Min. 11 S. Gerner)

 

67er

1 Schreier, 2 B. Herberger, 3 R. Herberger, 4 Rühl, 5 Plätzer, 6 Hartenfels, 7 F. Feta, 8 Calina, 9 A. Geyer, 10 M. Wellein, 11 Sommer. (Eingewechselt: 54. Min. 12 Rössel ; 59. Min. 16 M. Oeser ; 78. Min. 13 Kohler)

 

 

 

Unsere Elf wollte offenbar von Beginn an für klare Verhältnisse sorgen und legte sofort los wie die Feuerwehr. In der 2. Min scheiterte Geburtstagskind Tobias Sommer per Kopf am starken Heimkeeper Derrer, auch der anschließende Schußversuch unseres Kapitäns Matthias Wellein nach Eckball von Andre Geyer wurde abgeblockt.

Trotz allem war dies ein toller Auftakt unserer Jungs und deutliches Zeichen in welche Richtung die Partie sich nun folgerichtig entwickeln würde…..und dann stand es 1:0 für Höchstadt!

Was war geschehen?

Noch während unserer nächsten Angriffsbemühung – etwas zu sorglos und nicht abgesichert vorgetragen –  zeigte der schnelle und immer brandgefährliche TSV- Stümer Kilian Schmidt seine ganze Klasse, lief nach einem langen Befreiungsschlag unseren TW Marco Schreier noch vor der Grundlinie ab und passte in den Fünfmeterraum. Der einzig mitgelaufene Angriffskollege Max Brehm hatte keine Mühe zur Führung einzuschieben (7. Min).

Unser erfolgsverwöhntes Team lag nun tatsächlich im Rückstand. Erste Anzeichen von Nervosität machten sich auf den Rängen breit. Sollte ausgerechnet hier und heute in Höchstadt die Serie der ungeschlagenen Partien enden und noch schlimmer, die für den Abend vorbereitete Aufstiegsparty am Saltendorfer Berg inkl. vorheriger Stadtrundfahrt ins Wasser fallen?

Viel Zeit zum zweifeln blieb nicht, denn bereits mit dem folgenden Anstoß wurde Calina auf die Reise geschickt, der in seiner unnachahmlichen Art an zwei Gegenspielern vorbei in den Strafraum zog und dort nur regelwidrig am Torschuss gehindert werden konnte. Elfmeter für Etzelskirchen!

Matthias Wellein übernahm die Verantwortung, verlud den Heimtorwart und schob humorlos zum Ausgleich ein (1:1 , 9. Min).

   

(Ausgleichstor per Strafstoß durch Matthias Wellein)

 

Dies war genau die richtige und vor allem postwendende Antwort, um das Spiel wieder in die aus 67er Sicht erhoffte Bahn zu lenken. Nicht auszudenken, hätte man einem Rückstand lange hinterherlaufen und dem Gegner zwangsläufig mehr Räume für seine gefährlichen Konter gewähren müssen.

Doch von nun an dominierte unser Team das Geschehen und fand eine gute Balance zwischen Beschleunigung und Spielberuhigung.

So überraschte es offenbar den TSV als nach mehreren Minuten Mittelfeldgeplänkel plötzlich wieder Calina Tempo aufnahm und aus dem Lauf den zentral startenden Mittelstürmer Wellein bediente. Unser Torjäger nahm die Vorlage gekonnt mit der Brust an, ließ mit dem nächsten Kontakt seinen Gegenspieler hinter sich und vollendete alleine vor Keeper Derrer stehend cool zum 2:1.

Nach 20 gespielten Minuten und zwei Wellein-Toren wäre unsere Elf nun am Ziel ihrer Träume, dem Aufstieg, angelangt!

 

Richtig euphorisiert und angetrieben von unseren Fans wollte die Mannschaft sofort nachlegen. So war wenige Augenblicke nach der erstmaligen Gästeführung wieder Höchstadts Derrer gefordert und auf dem Posten, als er einen Schussversuch von Tobias Sommer vereitelte und die Vorentscheidung zu Gunsten unserer SpVgg verhinderte.

(Derrer riskiert Kopf und Kragen gegen 67er-Stürmer Sommer)

 

Im Anschluss war die Luft jedoch etwas raus aus der Partie, Etzelskirchen kontrollierte weiterhin Ball und Gegner, Höchstadt seinerseits zog sich weit zurück und lauerte auf mögliche Konterangriffe. Als sich die Akteure gedanklich schon weitgehend auf die Halbzeitpause einstellten, nochmals eine Schrecksekunde für unsere 67er.  TSV-Offensivmann Risch wurde an der Strafraumkante freigespielt, zögerte nicht lange und zog platziert ab, doch unser Keeper Schreier – nach Saisonende von den Trainern der Liga als bester Torwart ausgezeichnet – parierte stark und rettete die Pausenführung.

Der Countdown lief, jetzt nur noch 45 Minuten und unsere Jungs wären in der Kreisklasse!

 

Die zweite Halbzeit verlief lange ungewohnt ereignislos und unsere Mannschaft wirkte von Minute zu Minute gehemmter im Angriffsspiel. Eine phasenweise komische Situation, einerseits machte der TSV noch wenig Anstalten seine Taktik mit strikter Defensive und tiefem Verteidigen vor dem eigenen Tor aufzugeben, andererseits wollte unsere Mannschaft auf dieses „Angebot“ nicht mit letztem Risiko eingehen und blindlings auf den nächsten Treffer spielen, war man doch aufgrund des frühen Gegentores vor den Kontern über Schmidt und Co. gewarnt.

Da der aktuelle Spielstand reichen würde, versuchte man es lediglich mit kontrollierter Offensive und wieder war es Calina, der die nächsten Zeichen setzte. Konnte sein Freistoß nach gut einer Stunde Spielzeit von Derrer noch ohne größeren Aufwand abgewehrt werden, musste Höchstadts Schlussmann in der 65. Minute schon sein ganzes Können aufbieten um aus kurzer Distanz Calinas Schuss zu entschärfen.

Ein mögliches 3:1 zu diesem Zeitpunkt hätte wohl endgültige Sicherheit bedeutet, doch stellten sich mit der heruntertickenden Uhr unsere Anhänger, Verantwortliche und Spieler langsam aber immer konkreter auf die folgenden Feierlichkeiten ein.

Unsere Mannschaft lag in Front und hatte das Spiel völlig im Griff, Höchstadt blieb seit über 20 Minuten ohne Torchance, was sollte dem Sieg und damit unserem Aufstieg jetzt noch entgegenstehen?

Kaum zu glauben, aber just in diesem Moment – es war die 67. Spielminute – unterbrach Schiedsrichter Schneider abrupt mit einem lauten Pfiff die Begegnung, setzte sich auf den Rasen und bat die beiden Trainer zu sich.

Er schilderte sogleich TSV-Coach Jeromin und 67er Funktionär Dennerlöhr, der für den auf Krücken am Seitenrand stehenden Coach Gezim Feta aufs Feld lief, die Situation.

Der Referee hatte sich offenbar gerade bei einem Sprint gezerrt und benötigte eine Behandlungspause.

Bange Minuten folgten, ein Abbruch stand im Raum und damit das – zumindest für diesen Tag – Ende der bevorstehenden Aufstiegsfeierlichkeiten.

Nach einer knappen Viertelstunde betrat Schneider wieder das Feld um sich gemeinsam mit den Verantwortlichen beider Teams über den weiteren Verlauf abzustimmen. Er würde das Spiel trotz Verletzung weiterführen wollen. Die einzige Bedingung für beide Kontrahenten lautete, absolute Rücksichtnahme auf seine eingeschränkte Beweglichkeit und evtl. daraus resultierende Fehlentscheidungen.

An dieser Stelle nochmals ein Dankeschön an den Referee, der weiter souverän leiten sollte und an die Verantwortlichen des TSV, die diesen Fairness-Kodex ebenfalls zusicherten, einhielten und damit einen möglichen Spielabbruch verhinderten!

Sportlich brachte die Unterbrechung unsere 67er nicht aus dem Konzept, im Gegenteil setzte man befreit von der Sorge eines vorzeitigen Spielendes zum Schlussspurt an und erspielte sich nun wieder zielstrebiger vielversprechende Tormöglichkeiten.

Und die endgültige Erlösung sollte bald folgen!

Es war die 83. Spielminute als Calina, der am Saisonende 45 Scorerpunkte auf der Habenseite verbuchte, sich nach bekanntem Muster zunächst auf dem Flügel durchsetzte, in den Strafraum kreuzte und aus spitzem Winkel maßgeschneidert auf Andre Geyer passte. Unser Spielmacher hämmerte den Ball aus kurzer Distanz unhaltbar in die Maschen und konnte sich vor der tobenden Fankurve um Chefeinheizer Fabian Schöbel (zu diesem Zeitpunkt verletzt außer gefecht) feiern lassen.

Der Aufstieg war unter Dach und Fach!

 

  

(Calina behauptet den Ball)                    (Jubeltraube nach dem 3:1 durch Geyer)

 

 

Die letzten Minuten der Partie glichen einem Schaulaufen unseres Teams begleitet von unentwegten Sprechchören unserer Anhänger, am Spielfeldrand wurden die Aufstiegsshirts verteilt, Sekt und Biergläser bereitgestellt und freudig dem Abpfiff entgegengefiebert.

Um 16:58 Uhr schließlich war es vollbracht, Schiedsrichter Schneider beendete die Begegnung und gab den Anpfiff zu ausgelassenen, lange anhaltenden Feierlichkeiten!

 

Endstand:   TSV – 67er    1:3 (1:2)

 

 

   

(La-Ola Welle direkt nach Abpfiff)                         (Bürgermeister Brehm feiert mit)                       (Aufstiegscoach G. Feta nach Bierdusche)

 

 

Wenige Spieltage später sicherte sich unsere SpVgg durch einen Heimsieg gegen Mitaufsteiger Hemhofen auch die Meisterschaft, in der Saisonbilanz standen 25 Siege aus 28 Spielen.

Hochgelobt wurde damals nicht nur die Offensivbesetzung des Kaders. Die nur 22 Gegentore, mit Abstand die wenigsten aller A-Klassisten, zeugten von einer starken mannschaftlichen Geschlossenheit der Feta-Truppe, die diese denkwürdige Spielzeit prägte und den verdienten Meistertitel ermöglichte!

 

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Damit endet (vorerst) unsere Serie „67er Classics“.

Lasst uns alle – sobald der Ball wieder rollt – weitere denkwürdige Momente, tolle Spiele und Saisons erleben und die Geschichte unseres Vereins gemeinsam fortschreiben!

Auf geht´s 67er !

 

 

2020-06-11T17:36:03+00:0011. Juni 2020|